HARALD NAEGELI | Skelett aus dem Zyklus Totentanz

Eine Botschaft von Jochen Heufelder, Fuhrwerkswaage Köln

Harald Naegeli, Skelett, Köln, St. Cäcilien/Museum Schnütgen, 1989
(Foto: Rheinisches Bildarchiv / Marion Mennicken, 2016)

Eine Botschaft von Jochen Heufelder, Fuhrwerkswaage Köln

Harald Naegeli
Skelett aus dem Zyklus Totentanz | 1989

Standort
Schnüttgen Museum, Köln

Der Totentanz von Harald Naegeli war zunächst unerwünscht, da unerlaubt angebracht. Er blieb aber irgendwie erhalten – nun wird er geschützt. Eine ambivalente Entwicklung, zugleich auch Zeugnis für den Wandel von Wahrnehmung über die Zeit. Zudem das letzte Exemplar einer Reihe verwandter Arbeiten des Künstlers in Köln. Mit großer Versiertheit sprayte Naegeli ein ‘lebensgroßes‘ Gerippe in den vermauerten westlichen Torbogen der Kirche St. Cäcilien. Sind Kirchen nicht traditionell Orte für die Hoffnung auf Wiederauferstehung und einer Präsenz im Jenseits? Aber wie? Als Skelett?

Andererseits hat die Graffitiarbeit Naegelis 35 Jahre allen irdischen Versuchen einer Übermalung und somit Auslöschung widerstanden – und ‘überlebt‘. Im Diesseits – als Skelett. Die dynamische Darstellung des Gerippes assoziiert Tanz, obwohl beidseitig mit den Armen am Torbogen abgestützt. Naegelis tanzender Triumph über den Tod, oder doch die Kirche als Stütze?

Wie auch immer: in diesen Zeiten bedarf es der Zuversicht auf ein Überleben. Im Diesseits wie im Jenseits. Mit oder ohne Kirche. Kunst belebt das Bewusstsein – auch hierfür. Vielschichtig!