Der Esel kommt mit

Eine Reise von Ivo Weber mit einer Botschaft von Köln nach Cluj

Meine Reise verbindet die Partnerstädte Köln in Deutschland und Cluj-Napoca in Rumänien (das frühere Klausenburg). Sie wird am Sonntag, den 12. Mai 2024, mit einer Verabschiedung und dem Reisesegen in der Kunststation Sankt Peter in Köln beginnen und voraussichtlich elf Wochen später im Rathaus von Cluj enden.

Vermessung des Esels

DIE BOTSCHAFT

Wie ein Herold reise ich von A nach B. Ein Herold ist der persönliche Überbringer einer Botschaft. Die Botschaft gilt der verbindenden Freundschaft und der gestal­tenden Zusammenarbeit beider Städte. Ich reise sozusagen als persönlicher Bote zum Thema „Kunst im öffentlichen Raum“. Die Botschaft richtet sich an Freunde, Künstlerkollegen und Kolleginnen und an öffentliche Vertreter der Stadt Cluj. Sie wird in Köln stellvertretend kreiert von den acht Mitgliedern des Kunstbeirats, sowie von weiteren Personen des öffentlichen kulturellen Lebens: Barbara Förster, Jochen Heufelder, Stefan Kraus, Anne Mager, Nadine Müseler, Guido Schlimbach u.a..

Jede einzelne Person wählt eine ihr oder ihm wichtige Arbeit im Stadtraum, die als digitale Botschaft, bestehend aus Fotos, einer kurzen Beschreibung der persönlichen Priorisierung und einer Audioaufnahme, mit auf die Reise geht.

EINLADUNG

Herold (um 1510)
Beauftragter, Bote, Gesandter
Definition (wikipedia.org)

Bei einem Besuch in Cluj – gemeinsam mit dem Kurator und Kultur­kritiker Kay von Keitz – habe ich im Herbst 2023 mit dem städtischen Kultur­amt und mit der Kunstakademie Kontakte geknüpft, die zu einer sehr persönlichen Einladung führten. Eine offizielle Einladung besteht über das Goethe-Insti­tut in Bukarest in Verbindung mit dem Deutschen Kulturinstitut in Cluj, das von Mai bis Ende Juli der zentrale Anlaufpunkt des Projektes sein wird.

DER HEROLD

Der Herold macht der Welt bekannt, wer Absender und Adressat sind. Er verbindet auf seiner Mission beide mit weiteren Beteiligten, die ebenfalls Teil der Botschaft werden. Sein Weg verändert alle, die beteiligt sind. Der Herold ist Empfänger der Botschaft, die sich ihn erweitert. Er selbst wird Teil der Botschaft: The message is the medium.
Skizze Eselgefährt
Atelieransicht (Mobil mit Dummy der Eselskulptur)

DAS GEFÄHRT

Zur extrem entschleunigten Reise benütze ich ein Elektromobil für Senioren. Auf diesem Gefährt werde ich sitzen und fahren. Es wird nie schneller als 13 km/h sein. So werde ich vermutlich knappe drei Monate bis zum Zielort brauchen. Die Reduktion der Geschwindigkeit auf ein humanes Maß und die Besonderheit meiner Erscheinung werden mir helfen, die Botschaft mit vielen Menschen zu teilen. Man wird an mir und an meinem Begleiter erkennen, dass wir besondere Reisende sind. Daher werde ich zahlreiche Begegnungen haben, zufällige und geplante.

DER BEGLEITER

Jeder Herold braucht einen Begleiter. Der Esel aus der Weihnachtskrippe meines Elternhauses begleitet mich seit meiner Kindheit. Esel stehen für Geduld, Beständigkeit, Genügsamkeit und Eigensinn; sie sind Vertraute und Transportmittel. So symbolisch und real zugleich wie meine Mission, wird auch mein Begleiter sein. Er wird als vergrößerte Skulptur aus Epoxidharz in den realen Maßen auf einem Anhänger gezogen; mal führe ich den Esel, mal ziehe ich ihn. Man ist stets füreinander da, denn auch ein Herold ist ungerne allein.
Vermessung des Esels
Krippenfigur aus meiner Kindheit

DIE ROUTE

*Zur besseren Ansicht auf die Route klicken

Der Herold muss planen und doch flexibel sein: Durch meine Recherche im Vorfeld werde ich auf meiner Route ausgewählte Haltestationen einlegen. Andere Streckenabschnitte und Routen werden sich ergeben. So werden die Vernetzungen, Erweiterungen und Begegnungen ein wichtiger Teil meiner Aufgabe. Jede größere Stadt auf meiner Route lade ich dazu ein, ebenso wie in Köln eine ausgesuchte „Kunst im öffentlichen Raum“ vorzustellen, zu diskutieren und sie mir visualisiert mit auf den Weg zu geben.

Die erste Etappe meiner Fahrt mit dem Eselgefährt geht entlang zweier Flussläufe: Rheinaufwärts von Köln bis Mannheim und anschließend den Neckar aufwärts bis Esslingen. Von dort geht es weiter über die Schwäbische Alb bis nach Ulm. Von Neu-Ulm soll mich mein Weg ins Donautal wieder flussabwärts führen, auf und an der Donau entlang durch Österreich bis nach Budapest. Gelegentlich werde ich bei Transportschiffen aufzusitzen, jedoch nicht länger als eine oder zwei Tagesrouten. Die letzte Etappe von Budapest nach Cluj geht quer durch Ungarn und das nördliche Rumänien inmitten der Karpaten.

PRÄSENTATION

Am Anfang meiner Reise sieht man auf einer öffentlichen Plakatwand in Köln den voraussichtlichen Reiseweg. Der Ebertplatz bietet mit seinen vielfältigen kulturellen Angeboten, diversen Besucher*innen und Passant*innen als potentieller Resonanzraum eine angemessene Öffentlichkeit dafür.

Die schemenhafte Darstellung der Route lässt mir den Raum, den ich benötige, um von unterwegs an relevanten und spannenden Stationen, Eindrücke und Statements an Kolleg*innen und Freund*innen zu senden. Diese werden als Print an der entsprechenden Stelle auf die Plakatwand geklebt. Am Ende wird sich das Plakat zu einer vielfältigen Collage entwickelt haben, ein Reisebericht in analoger Echtzeit.

Darüber hinaus sollen die Reise, ihre Begegnungen und mein Eintreffen am rumänischen Zielort laufend in den sozialen Medien gepostet und damit verfolgt werden können. Reaktionen darauf werden die Reise beeinflussen und ein Teil des Projekts sein.

Am Ende steht die persönliche Übergabe der originalen Botschaft, erweitert durch meine eigenen Erfahrungen, an die Vertreter und Vertreterinnen der Kultur in Cluj-Napoca. Hier werden mehrere Ausstellungen stattfinden, im öffentlichen Raum sowie in städtischen Ausstellungsräumen und in der Akademie.

Zur abschließenden Aufgabe des Herolds gehört es, in der Heimatstadt von der Reise und der Partnerstadt zu berichten. Dazu soll im Spätsommer oder Herbst 2024 auf dem Ebertplatz ein moderiertes Podiumsgespräch mit beteiligten Personen aus Cluj, Köln und unterwegs stattfinden.

DIE PUBLIKATION

Es ist unerlässlich, das gesamte Projekt als Dokumentation und Reisebericht in Form eines Buches zu veröffentlicht. Diese Publikation soll im Rahmen der Abschlussveranstaltung präsentiert werden.
Skizze Plakatwand Ebertplatz

DIE KOOPERATIONSPARTNER

(Stand Januar 2024)

Deutsches Kulturinstitut Cluj
Kulturamt der Stadt Cluj
Kulturamt der Stadt Köln
Kunststiftung NRW
Projektraum Unser Ebertplatz
Universität für Kunst und Design, Cluj