BEN MUTHOFER | Faltung | 1985

Eine Botschaft von Mathias Listl, Museum für Konkrete Kunst, Ingolstadt

Eine Botschaft von Mathias Listl, Museum für Konkrete Kunst, Ingolstadt

Ben Muthofer (1937 – 2020) | Faltung | 1985
lackierter Stahl, 8,40 x 1,94 x 1,10 m
Ingolstadt, Tränktorstraße 6-8, Skulpturengarten des Museums für Konkrete Kunst  | Schenkung der Firma Schubert und Salzer, Maschinenfabrik AG (SSI), Ingolstadt

Trotz ihrer konkreten, also ungegenständlichen Formensprache, die sich aus einzelnen Dreiecksformen zusammensetzt, sendet Ben Muthofers große, unmittelbar vor dem Museum für Konkrete Kunst platzierte Stahlskulptur Faltung für mich mehrere völkerverbindende Botschaften aus. Dies beginnt bereits bei ihrem Schöpfer, also bei Ben Muthofer selbst. Denn der lange Jahre in Ingolstadt lebende Künstler wurde 1937 als Norbert Musiolik in Oppeln, dem heutigen polnischen Opole, geboren und zusammen mit seiner Familie als Deutschstämmiger im Januar 1945 aus seiner Geburtsstadt vertrieben. Trotz dieser schlimmen Kindheitserlebnisse nahm Muthofer nach dem Fall des Eisernen Vorhangs sofort Kontakt zu Opole, heute eine der Partnerstädte Ingolstadts, auf, besuchte den Ort mehrere Male und machte seiner vormaligen Heimatstadt schließlich mehrere seiner Werke zum Geschenk.
Aber auch das Kunstwerk selbst kann als interkulturelles Zeichen interpretiert werden. So zeigt es exemplarisch Muthofers intensive Auseinandersetzung mit der japanischen Falttechnik des Origami, in die er in den USA von einem japanischen Origamimeister eingeführt wurde. Mit Hilfe dieser Falttechnik war es ihm möglich, den eigentlich ja schweren Stahl in die filigrane, unheimlich leicht erscheinende Form der fast 9 Meter hohen Skulptur zu bringen.
Und schließlich hat auch die Platzierung der Skulptur eine völkerverbindende Konnotation: Das Kunstwerk ist in direktem Blickbezug zur Donau ausgerichtet, jenem Fluss, der von seiner Quelle bis zu seiner Mündung ins Schwarze Meer insgesamt zehn europäische Staaten miteinander verbindet.     

Fotos: © Museum für Konkrete Kunst Ingolstadt, Hubert Klotzeck