Peter Lenk | Des Esels Schatten | 1999/2000

Eine Botschaft von Jo Weber, Biolandwirt und Kommunalpolitiker
und Judith Bihr, Kuratorin und stellvertretende Museumsleiterin, Museum Biberach

Eine Botschaft von Jo Weber, Biolandwirt und Kommunalpolitiker
und Judith Bihr, Kuratorin und stellvertretende Museumsleiterin, Museum Biberach

Peter Lenk | Des Esels Schatten
1999/2000 | Steinguss auf Metall

Die Skulptur »Des Esels Schatten« von Peter Lenk auf dem Biberacher Marktplatz wurde durch Christoph Martin Wielands satirischen Roman »Die Abderiten« inspiriert, der in den Jahren 1774–1780 in Fortsetzungen in der Zeitschrift »Der Teutsche Merkur« erschien. Im vierten Abschnitt des Romans geht es um den »Prozess um des Esels Schatten«, welcher den Streit zwischen einem Eseltreiber und einem Zahnarzt, der den Esel mietet, beschreibt. Als sich der Zahnarzt zur Rast in den Schatten des Esels legt, fordert der Besitzer, der ihn begleitet, für den Schatten eine weitere Miete. Der Zahnarzt weigert sich, denn der Schatten sei schließlich Teil des Esels, den er gemietet hat. Es kommt zu keiner Einigung und so gehen die beiden zur Stadt zurück und bringen die Sache vor den Stadtrichter. Der Streit geht durch alle Instanzen, bis er vor den Großen Rat von Abdera gelangt. Die ganze Stadt hat derweil begonnen, sich mit dem Streit zu beschäftigen und sich in zwei Lager zu spalten, die »Esel-« und die »Schatten«-Gruppe. Die Gerichtsverhandlung auf dem Marktplatz findet jedoch ein jähes Ende, als der Esel, um den es geht, durch die aufgebrachten Bewohner Abderas in tausend Stücke gerissen wird.

Der vom Bodensee stammende Künstler Peter Lenk nimmt sich in seiner Skulptur dieser Thematik an. In seinen Arbeiten stellt er auf satirische Art gesellschaftliche Missstände dar. Der Esel bildet in der Skulptur die Silhouette, gefüllt wird sie von zahlreichen, satirisch überzeichneten Personen. Die miteinander agierenden Körper verweisen auf menschliche Fehler und Schwächen, auf ihre Eigen- und Unarten hin, welche zum Tod des Esels sowie zu einem beinahe Zerwürfnis Abderas geführt hatten. Die Skulptur, die nun seit 24 Jahren auf dem Marktplatz in Biberach steht, ist damit auch ein Denkmal der Selbstkritik. Mittels Provokation regt sie zum Nachdenken und Reflektieren des eigenen Verhaltens an.