stoebo – Bogman & Störmer | Goldener Waller | 2019

Eine Botschaft von Gertrud Maltz-Schwarzfischer, Oberbürgermeisterin Regensburg und Astrid Bardenheuer, artothek Köln

Eine persönliche Botschaft
von Gertrud Maltz-Schwarzfischer und Astrid Bardenheuer

Eine Botschaft von Gertrud Maltz-Schwarzfischer, Oberbürgermeisterin Regensburg

stoebo – Bogman & Störmer | Goldener Waller | 2019

Unser goldener Waller wurde in einem Wettbewerb ausgelobt und vom Künstlerduo Cisca Bogman & Oliver Störmer realisiert. Die Skulptur „Goldener Waller“ besticht durch seine eigentümliche Form. Dargestellt ist eine abstrahierte, stromlinienförmige Gestalt eines Welses –  zu bayerisch „Waller“. Abstrahiert deshalb, weil figürliche Details, wie Flossen und Barteln zu Gunsten der Idee der geschmeidig-sanften Bewegung vernachlässigt wurden.

Beeindruckend am „Waller“ finde ich, dass die Skulptur ein vergleichbares neues Eck von Regensburg belebt und dort Identität stiftet. Das neue „Museum Haus der Bayerischen Geschichte“ mit der neu gestalteten Donaulände hat als Kunst, Kultur und Freizeitort einen Charakter verliehen bekommen – auch mit dem hier wöchentlich stattfindenden Bio-Donaumarkt, der von den Regensburgerinnen und Regensburgern sehr geschätzt und gut besucht wird.

Deswegen finde ich es beim sogenannten „Waller“ fantastisch, wie schnell er sich in das kulturelle und künstlerische Gehirn der Regensburgerinnen und Regensburger eingeschrieben hat. Zugegeben – auch durchaus kontrovers diskutiert – gefällt der Waller nicht jeder Bürgerin und jedem Bürger. Aber genau das macht die Kunst so wertvoll in unserer Gesellschaft. Sie bietet die Gelegenheit, Meinungen äußern dürfen und verschiedene Blickwinkel kennenzulernen. Man geht miteinander in den Diskurs und erlebt den Dialog. „Waller“ sei Dank!

Eine Botschaft von Regensburg und Astrid Bardenheuer, artothek Köln

Der „Goldene Waller“
Der Waller ist ein merkwürdiger Fisch, der zur Familie der Welse gehört. Er ist ein bisschen unförmig mit seinem großen Kopf und dem breiten Maul mit seitlichen Barten. Er ist der größte Süßwasserfisch Europas und lebt in schlammigen, dunklen Gewässern zwischen Frankreich im Westen und Afghanistan im Osten. Seine Lebensspanne von 80 – 100 Jahren ist vergleichbar mit der des Menschen, jedoch wird er mit bis zu 3 Metern Länge beeindruckend groß. Kein Wunder also, dass Angler den Zweikampf mit ihm suchten und nicht immer war und ist klar, wer gewinnt.

Als ich in Regensburg in den 1970er Jahren aufwuchs, gab es nur noch wenige Waller in der ziemlich verschmutzten Donau. Diejenigen, die man im Fischgeschäft am Fischgassel kaufen konnte, waren in den Nebenflüssen der Donau aufgewachsen und gefangen worden. In Gaststätten gab es Fotos und Zeitungsberichte von Anglern, die besonders große Tiere gefangen hatten und diese stolz präsentierten. Die Geschichten dazu glichen Versionen von Hemingways „Der alte Mann und das Meer“ aus dem Binnengewässer. Kleine Hunde und Kinder soll er verschluckt haben, die Geschichten über ihn, sind abenteuerlich und phantastisch und so kommt es, dass ihm etwas Magisches und Verwunschenes anhaftete, ein Urzeittier, das bis heute überlebt hat.

Ich zog aus Regensburg weg, ließ Kindheit und Waller hinter mir.

Nun steht seit 2019 in Regensburg am Donauufer die Skulptur „Goldener Waller“ von Cisca Bogman & Oliver Störmer, das Fabelwesen aus meiner Kindheit. Ihn in seiner beeindruckenden Größe physisch vor mir zu sehen, nicht massig und grau sondern golden glänzend und erhaben in seiner stromlinienförmigen Eleganz, hat mich sehr berührt. In seiner geschmeidigen Bewegung eingefangen scheint er jeden Augenblick wegschwimmen zu können. Nur für einen Moment balanciert er auf seinem Sockel und überblickt die städtische Szenerie zwischen dem Haus der Bayerischen Geschichte, dem Wochenmarkt und den anlegenden Schiffen.

„Der Goldene Waller“ kann als ein mehrdeutiges Zeichen gelesen werden, welches bezogen auf den Standort die hypothetische Frage aufwirft, zu welcher Zeit ein solch kapitaler Wels am Donaumarkt angelandet wurde, bzw. an Land gegangen ist. Die Skulptur erinnert an die symbiotische Beziehung von Siedlungsraum und Flusslandschaft. Die Verbreitungsgeschichte des Europäischen Wels und die vielfältige Siedlungs- und Migrationsgeschichte der Stadt Regensburg in der Frühzeit und im Mittelalter, weisen viele Parallelen auf: So erstreckt sich das Verbreitungsgebiet des Wels, dessen Ursprung in Zentralasien vermutet wird, über Ost- bis Mitteleuropa. Dies korrespondiert mit den Regionen aus denen Völker wie Markomannen (Böhmen), Slawen und Awaren (Tschechien, Kroatien, Serbien), Magyaren und Hunnen (Ungarn, Zentralasien) nach Westen drängten, in Regensburg sesshaft und heimisch wurden und Bayerische Kultur entscheidend mitprägten.“ (aus: Kulturdatenbank der Stadt Regensburg)