Myriam Holme und Philipp Morlock | Einraumhaus | 2010

Eine Botschaft von Miriam Holme, Künstlerin, Barac

Eine Botschaft von Myriam Holme

Myriam Holme und Philipp Morlock | Einraumhaus | 2010

Wir wollten einen Ausstellungsort schaffen, der frei von Vorgaben und Verpflichtungen sein sollte. Keine Miete sollte er kosten, keine Besucherzahlen nachweisen müssen, keine wirtschaftlichen Verpflichtungen mit sich ziehen. Dank dem Kulturamt Mannheim konnten wir das Konzept Einraumhaus c/o verwirklichen und einen Ort größtmöglicher künstlerischer Freiheit schaffen, an dem man experimentieren, forschen und sich begegnen kann.

 Ein Ort der lediglich der Kunst verpflichtet ist
 
Seit 2009 prägt das Einraumhaus c/o die kulturelle Stadtentwicklung auf dem alten Messplatz in Mannheim. Zu Anfang, in der ersten Fassung etwas kleiner (4 x 4 m) mit einem Pyramidendach mit einer Glasspitze kam es bereits 2010 zu einem ersten Umzug. Wir zogen vom Alten Messplatz in der Nachbarschaft des Platzhauses über die Dammstrasse auf die südliche Platzhälfte. Der Umzug war gleichermaßen ein Umbau und das größere Einraumhaus c/o in seiner heutigen Form entstand.

In der Umbau- und Umzugsphase diente das kleinere Einraumhaus als Satellit und sollte Mannheimer Künstler*Innen in die Welt bringen, so wie es vorher Künstler*Innen der ganzen Welt nach Mannheimer brachte. Wir reisten mit dem kleinen Einraumhaus nach Tirana in Albanien, nach Solothurn in der Schweiz, nach Freiburg, nach Stuttgart …

Hier in der Region ließen wir während der Aufbauphase des zweiten Einraumhauses die bisherigen Ausstellungen Revue passieren über unser „Grundriss“ Konzept. Wir markierten in den großen Institutionen (Kunsthalle Mannheim, Wilhelm Hack Museum) den Grundriss des Hauses mittels Tape in den Ausstellungshallen und stellten die Ausstellungen in einem imaginären Haus nach.

Das große Einraumhaus c/o eröffneten wir 2012. Die Adresse lautete Dammstrasse 1.

Wir begriffen das Haus an sich immer als Skulptur im öffentlichen Raum, sowohl das kleine als auch das große Einraumhaus. Seither haben hier jährlich bis zu 12 Ausstellungen stattgefunden, die Künstler*Innen Liste ist international und reicht von Werken von zu versichernden Superstar Künstler*Innen bis zu jungen Absolvent*Innen von Hochschulen und Akademien von Berlin bis Wien – dazu jedes Jahr eine Künstler*In aus der Region.

Die Mannheimer bildende Kunstszene nach außen verknüpfend und Mannheim als Stadt ins Gespräch bringend. Viele Vernetzungen, Freundschaften, Einladungen, Artikel, Symposien und Beachtung in der Kunstwelt hat es bisher gegeben und gibt es nach wie vor.

Das Einraumhaus ist gereift mit den Jahren, es hat sich verändert, ist gewachsen mit seinen Bedingungen, mit seiner Umgebung, mit seinen Nachbarn. Vom alten Bahnhof über eine Riesenrad, ein Großfeuer, Lidl, Skaterszene, Ponyreiten, Freifläche bis zu unseren Nachbarn der letzten Jahre ALTER. Diese Nachbarschaft war besonders befruchtende und intensiv. Kunst kann ein Seismograf sein und die Aufgabe für Künstler*Innen in einem Haus auszustellen, das zwar autark aber doch durchlässig ist für sein Umfeld wie das Einraumhaus, ist eine besondere Herausforderung. Es ist eben nicht ein Ort an dem einfach Bilder an die Wand gehängt werden können, das osmotische ist immer mitzudenken und die große Niederschwelligkeit, da der Ort ein Ort der Vielfalt ist und Menschen jeder Couleur sich einfach und ungefragt in das Haus hineinbegeben können, ist ein großes Geschenk für und an die Kunst. Hier fand Kunstvermittlung in best practise statt. 

Nun werden wir demnächst diesen Standort verlassen müssen, da ein Museum für deutsche Sprache gebaut werden wird. Das Einraumhaus c/o wird dennoch verstetigt werden und aus der angedachten temporären Situation neu geboren werden. Das dritte Einraumhaus entsteht, mit einerm neuen Grudnriss und einerm neuen „Kleid“, ganz in der Nähe des alten Standortes.
 
c/o „to care of“bleibt unser Motto:
sich kümmern um.