LUTZ FRITSCH | Standortmitte | 2008

Eine Botschaft von Stefan Kraus, Kolumba, Köln

Eine Botschaft von Stefan Kraus, Kolumba Köln

Lutz Fritsch | Standortmitte
Zwei Stahlstelen, Rot Ral 3020 lackiert
Höhe je 50 m, ø je 900 mm, Länge 22,5 km

Standort

Bonner Verteiler, Köln

Das seit 1989 beharrlich verfolgte und 2008 fertiggestellte Projekt mit dem Titel „Standortmitte“, besteht aus zwei fünfzig Meter hohen roten Stahlstelen an den Autobahn-Verteilerkreisen in Köln und Bonn. Es verbindet die beiden Städte an den Start- und Zielpunkten der ältesten Autobahn in Deutschland und lässt beispielhaft die sozial-plastische Komponente der Arbeit des Künstlers Lutz Fritsch werden: „Mich interessiert, durch die künstlerische Intervention den Raum zwischen den beiden Polen bewusst erlebbar zu machen“. Die beiden Stelen markieren wie die Stecknadel auf einer Landkarte die durch sie bezeichneten Orte. Vergleichbar der Akupunktur, jener auf die traditionelle japanische und chinesische Medizin zurückgehende Heilmethode, zielt die Kunst darauf ab, an den empfindlichen Meridianen die Lebensenergie des landschaftlichen Körpers zu aktivieren. Wie das monumentale Tor einer mittelalterlichen Stadtbefestigung empfängt die Stele den Besucher und gibt ihm ein Zeichen des kulturellen Selbstverständnisses der Stadt.

Leider ist es in Köln eher die Regel als die Ausnahme, dass Qualität im öffentlichen Raum nichts zählt und man darüber hinweg plant. Der von allen Parteien ohne jegliche Wortmeldung(!) am 7.12.2023 durchgewunkene Ratsbeschluss zum Bau einer 12 Meter hohen Straßenbahn-Brücke über den Verteilerkreis hinweg spiegelt den erbärmlichen Zustand und das Mittelmaß, mit dem öffentliche Räume hier verantwortet werden. Er ignoriert nicht nur das geltende Urheberrecht des Künstlers und den Bestandsschutz, der ihm 2008 vertraglich zugesichert wurde. Er setzt sich auch über die Ablehnung des geplanten Bauwerks durch den Gestaltungsbeirat und den Kunstbeirat hinweg, also den beiden Fachgremien, die unabhängig und ehrenamtlich für die Stadt tätig sind. Meine Botschaft richtet sich daher an die Verantwortung, die wir alle gemeinsam für uns wichtige Orte wahrnehmen, denn „Kunst ist zwar nicht alles“, so der legendäre Kölner Kulturdezernent Kurt Hackenberg 1967, „aber in Köln ist es doch so, dass ohne Kunst alles nichts ist.“