Iskender Yediler | Kopf des Heiligen Gereon | 2005

Eine Botschaft von Birgit Laskowski, Kuratorin, Köln

Eine Botschaft von Birgit Laskowski, Kuratorin
Kunstbeirat der Stadt Köln

Iskender Yediler | Kopf des Heiligen Gereon
2005 | Granit, 180 x 240 x 180 cm

Standort
Köln, Altstadt-Nord, Gereonsdriesch

Der riesige Kopf im Park bei St. Gereon wiegt 8 t, wurde in Thailand gefertigt und nach Köln verschifft. Seine Größe und seine klassisch reduzierten Züge einer antiken Helden- oder Götterstatue verleihen ihm etwas Überzeitliches, anderseits fast absurd Unzeitgemäßes, aus unserer Welt Gefallenes. Aber eigentlich ist, wofür er steht, bzw. liegt, omnipräsent. Bislang ist der in anderen Regionen tobende Krieg nicht Lebensrealität hier im Straßenbild, dennoch in unseren eigenen Köpfen präsent. Iskender Yediler entstammt selbst einer Familie, die sich schon vor Generationen durch Flucht der Verfolgung entziehen musste. Das Haupt stellt stumme Fragen nach Heldentum, Mut, Kriegsdienstverweigerung, Einstehen für seine Überzeugungen, passivem Widerstand, Konfliktlösungen jenseits von Gewalt. Diese Skulptur mutet archaisch an, weil sie Archaisches verkörpert: Ob in Religion oder Philosophie – die Erkenntnisse und Utopien, wie sich das Miteinander der Menschen besser und weniger destruktiv gestalten ließe, sind älter als die Legende um den Führer der Thebäischen Legion, der wie seine Mitstreiter für seine Weigerung getötet wurde, christliche Glaubensbrüder zu ermorden. Trotz intellektueller und technischer Errungenschaften ist die Menschheit noch immer nicht in der Lage – ethisch, psychisch, moralisch – ihre Spannungen friedlich und tolerant zu bewältigen.