Wolf Vostell | Ruhender Verkehr, 1969

Eine Botschaft von Anne Mager, Kuratorin, Köln

Kölner Stadtzeiger

Eine Botschaft von Anne Mager, Kuratorin, Köln

WOLF VOSTELL | Ruhender Verkehr
1969 | Beton

Standort:
Hohenzollernring, Köln

Fast alle Kölner*innen kennen den Ruhenden Verkehr von Wolf Vostell, auch wenn sie vielleicht nicht ganz genau wissen, wo exakt nochmal die klobige Betonskulptur steht oder was es so ganz genau mit ihr auf sich hat. Er ist vager, aber fester Bestandteil des kollektiven Kölschen Kunstgedächtnisses, angeblich sogar das bekannteste öffentliche Kunstwerk Kölns. Manche raunen sich zu, ein echtes Auto befinde sich darin. Natürlich tut es das.  

Im Herbst 1969, als Köln noch der Idee einer autogerechten Stadt folgte, ließ Vostell seinen grünen Opel Kapitän, Baujahr 1960, mit noch gültigem Kennzeichen K-HM 175, eingeschaltetem Licht und Radio in einer Parknische vor der Galerie Art Intermedia in der Domstraße einbetonieren. Vostells erste Betonskulptur überhaupt.

Ich mag diese Stelle auf dem Kölner Ring, wo Tag und Nacht der Verkehr auf beiden Seiten bewegt – früher mehrspurig vorbeirauschend, sich heute verkehrsberuhigt vorbeischiebend oder ganz im Feierabendverkehr zum Erliegen kommend. Das ist nicht seine ursprüngliche Position und vielleicht auch nicht die ideale, denn Vostell hatte sie stets auf einem Parkplatz gesehen, „das eingefrorene Auto mitten zwischen anderen, noch verkehrstüchtigen Autos“.  

Vielleicht wird der Ruhende Verkehr bald wieder umziehen. Ob auf einem richtigen Parkplatz oder hier am Kölner Ring – die gesellschaftliche Relevanz dieser Arbeit und Vostells Idee eines alogischen Elements im Alltag bleibt aktuell. Diesen Moment des Gegen- und Innehaltens – keinesfalls alogisch, sondern absolut notwendig – im Tempo unserer Zeit möchte ich gerne mit auf den Weg nach Cluj geben.