Németh Ilona, Mészáros Gabi, N. Tóth Anikó, |
Geplantes Denkmal als Gedenken an die in den Kriegen vergewaltigten Frauen in Budapest

Eine Botschaft von Bogata Sárossi, Goethe-Institut Budapest

Eine persönliche Botschaft
von Bogata Sárossi

Eine Botschaft von Bogáta Sárossi, Beauftragte für Programmarbeit, Goethe-Institut Budapest

Németh Ilona, bildende Künstlerin; Mészáros Gabi, Architektin; N. Tóth Anikó, Schriftstellerin, Dichterin

Geplantes Denkmal als Gedenken an die in den Kriegen vergewaltigten Frauen in Budapest

Zum ersten Mal habe ich als junge Frau in dem Roman von Alaine Polcz: Frau an der Front – Ein Bericht (Frau an der Front. Buch von Alaine Polcz, Suhrkamp Verlag über die Vergewaltigungen am Ende des zweiten Weltkrieges ausführlich gelesen. (Auf Deutsch bei Suhrkamp, Übersetzung: Laszlo Kornitzer).
Dies war auch die Zeit des Jugoslawien-Krieges, in der unmittelbaren Nachbarschaft von Ungarn. Es war allgemein bekannt, dass auch in diesem Krieg schreckliche Taten begangen, und Frauen vergewaltigt werden. Später habe ich dann noch in viele Romanen darüber gelesen, und mehrere Spielfilme gesehen, unter anderen zB. Anonyma – Eine Frau in Berlin, oder Esmas Geheimnis – Grbavica.

Das Projekt zum Gedenken an die in den Kriegen vergewaltigten Frauen wurde 2020 von der Hauptstadt Budapest initiiert. Fachlicher Partner ist das Stadtarchiv Budapest, und es wurde ein unabhängiges fachliche Komitee mit der Koordination beauftragt (bestehend aus Historiker:innen, Kunsthistoriker:innen, Archivar:innen)

Das deklarierte Ziel des Projektes ist so formuliert worden:
Von allen Gewalttaten, die während eines Krieges gegen die Zivilbevölkerung begangen wurden, ist die Gewalt gegen Frauen am wenigsten bekannt, obwohl sie Teil des gesellschaftlichen Gedächtnisses ist. Ziel des Projekts ist es, auf der Grundlage historischer und kunsthistorischer Forschungen durch die Kunst ein gesellschaftliches Verständnis für dieses Thema zu fördern.

Mit der Errichtung des Denkmals für die in Kriegen vergewaltigten Frauen, das unter Berücksichtigung der in der Konsultationsreihe aufgeworfenen Fragen und Empfindlichkeiten geschaffen wird, möchte die Stadt Budapest einen geistigen und physischen Raum schaffen, der dazu beiträgt, das Trauma auf gesellschaftlicher Ebene zu verarbeiten, und gleichzeitig heutige und künftige Generationen daran erinnert, dass so etwas nicht (immer wieder) passieren darf.  Die Gedenkstätte wäre auch ein Mahnmal für persönliche Geschichte/Geschichten.

Das Projekt besteht aus drei Teilen:
1) Ein Aufruf, persönliche Geschichten und Dokumente über den Alltag der Zivilbevölkerung während den Kriegen und Revolutionen des 20. Jahrhunderts berichten, und derüber reflektieren, wie die Gewalt (jegliche Gewalt) Teil des Alltags wurde. Dies findet in einem gemeinsamen Archiv ihren Platz und kann so überliefert werden.

2) Ein Forschungsprojekt erforscht die miteinander verflochtene Geschichte des öffentlichen Raums, der Denkmäler und der Stadt, und möchte das Bewusstsein für die Traditionen, die Kontexte und die zeitgenössischen Tendenzen und die Sprache der monumentalen Kunst schärfen.

3) 2021 wurde eine öffentliche künstlerische Ausschreibung für ein Denkmal ausgeschrieben. 2022 wurde durch eine Fach-Jury das Konzept ausgewählt, das verwirklicht werden sollte.

Das Künstlerinnenkollektiv, das gewonnen hat, besteht aus: Németh Ilona, bildende Künstlerin; Mészáros Gabi, Architektin; N. Tóth Anikó, Schriftstellerin, Dichterin

Ihr Konzept ist zu sehen unter:
https://www.elhallgatva.hu/elhallgatva-haborukban-megeroszakolt-nok-emlekezete-emlekmupalyazat-legjobb-helyezest-elert-tervei/

Das Denkmal soll auf einem leeren Grundstück in der Burg (Buda) errichtet werden. Der Antrag auf Baugenehmigung wurde zu den entsprechenden Behörden eingereicht, hoffentlich kann das Denkmal bis Ende 2025 verwirklicht werden. Das Goethe-Institut trug auch zu dem Projekt bei, indem es für das Forschungsprojekt das Zustandekommen eines Video-Interviews mit der Gedächtnisforscherin Aleida Assmann unterstützt hat:

Gespräch mit Aleida Assmann:
https://www.youtube.com/watch?v=sLsq-Xb1eyo

Ich finde es sehr wichtig, dass die Traumata der vergewaltigten Frauen im kollektiven Gedächtnis nicht nur durch Bücher und Filme verankert werden, sondern auch im öffentlichen Raum einen Platz finden, womit, durch Erleben des Ortes breitere Schichten der Bevölkerung darüber erfahren.

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